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Universität - Fachbereiche und wiss. Einrichtungen - FB Erziehungswissenschaft - ästhetische Erziehung - Arbeitsbereich Bewegung, Spiel und Sport

Horst Ehni

Prof Dr
geb 1941


Troplowitzstr. 7
22529 Hamburg
R 409

Tel.:
040/42838-3186
Fax: 040/42838-2112
e-mail: ehni@erzwiss.uni-hamburg.de


Curriculum vitae - Forschungsprojekt - Publikationen

Curriculum vitae

Bewegungs-, Spiel- und Sportbiographie


Erste Krabbel-, Steh- und Gehversuche 1942 auf einem, im Polenfeldzug erbeuteten Bauernhof. Fluchtbewegungen und der große Streifzug über Sachsen, Österreich und Bremen ins Schwäbische. Die kleinen und gefährlichen Streifzüge als "Kriegskind" an häufig wechselnden Orten und als "Nachkriegskind" in dem kleinen Dorf, in dem ich groß geworden bin - im Süden der jungen Republik. Hier lernte ich als sogenanntes Flüchtlingskind das schnelle Laufen, aber auch das Raufen und Ringen. Hier erkundete ich beim Bucheckernsammeln, bei der Kartoffelernte und beim Zeitungsaustragen alles, was kreuchte und fleuchte im Wald, Feld, Fluß und Dorf. Und hier wagten wir als Achtjährige den Lauf über die Eisschollen und den ersten Salto auf dem Heuboden. Im örtlichen Turnverein machte ich bis zu meinem 16. Lebensjahr das, was dieser und die knappe Zeit hergab: Turnen und Fußballspielen. Dann der sportliche Wechsel in die Stadt und der Beginn einer mittelmäßigen Leistungssportkarriere als Zehnkämpfer. Der Einschnitt durch die Bundeswehr mit den ambivalenten Erfahrungen als Gebirgsjäger: Marschieren, Kriechen und Robben - Klettern, Skifahren, Bergtouren und die Dimensionen des menschlichen Sich-Bewegens zwischen Kasernierung und Befreiung. Weiter im Zehnkampf. Kleine Erfolge und große Eitelkeiten. Aufschaltungen und Brechungen während des Studiums in Reutlingen und Tübingen: Volleyball, Basketball und die theoriegeleitete Frage nach dem Sinn. Das Ende des Leistungssports und alte Versuchungen in neuer Gestalt: Skitouren, Wildwasserfahren, Drachenfliegen...Das Erlebnis der Endlichkeit und die neuerliche Frage nach dem Sinn. Umbrüche: Familie, Beruf, Hamburg. Windsurfen, Skilaufen, Fußball- und Tennisspielen mit den Kollegen. Jonglieren und Diabolospielen, Frisbee- und Bummerangwerfen mit den Kindern. Einüben in einen anderen Bewegungsalltag: Mit dem Rad zur Uni. Zu Fuß zum Arbeitszimmer im 6. Stock. Lesen und Schreiben am Stehpult. Surfen im Internet.


Schul- und Berufsbildung

In meiner Schul- und Berufsbiographie sehe ich viel Autodidaktisches. Das Radfahren, den Salto und das Skilaufen habe ich mir selbst beigebracht. SCHILLER, GOETHE, GRASS und BRECHT habe ich selbst entdeckt. Von MACH, DE CERTEAU und SOMMER hatte ich nie etwas gehört, bevor ich sie in einem Buchladen in Tübingen aufstöberte und kaum mehr aus der Hand legen wollte. Das Lernen, das auf Erfahrung und das heißt auch auf Versuch und Irrtum, aber auch auf Zufällen und Einfällen gründet und Selbsttätigkeit voraussetzt, ist Teil meiner Biographie. Ihm gehört meine Wertschätzung. Aber auch den Wert des Belehrungslernens, das ich innerhalb der Institutionen von Schule, Betrieb und Hochschule, aber auch außerhalb erfahren habe, mag ich bei aller Skepsis, nicht wegzweifeln. Ich kann nicht sagen, was ohne diese Außensteuerungen, mit den guten und schlechten, den arglosen und strengen Eingriffen, geworden wäre. Sie gehören zu meinem Leben. Das Zusammenspiel von Erfahrungs- und Belehrungslernen, von Selbsttätigkeit und Fremdsteuerrung, meine Bildungs- und Berufsbiographie - oder wie das Leben so spielt - , das kann aus folgenden Daten, Fakten und Ereignissen herausgelesen werden: Acht Jahre Volksschule. Drei Jahre Lehre als Maschinenschlosser. Acht Jahre Fabrik- und Büroarbeit als Vorrichtungsbauer und Detailkonstrukteur - unterbrochen durch eineinhalb Jahre Bundeswehr. Informelle und außerschulische Bildung durch Leistungssport und geistiges Herumstreunen. Abendschule. Studium an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen. Zwei Jahre Lehrer an einer Realschule. Teillehraufträge als Sportlehrer und erneutes Studium ab 1970 an der Universität Tübingen bei GIEL und BOLLNOW in Pädagogik, bei GRUPE in Sportwissenschaft und bei NEIDHARDT und TENBRUCK in Soziologie. 1976 Promotion in den drei genannten Disziplinen und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sportinstitut der Universität Tübingen. Seit 1978 Professor für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Sportdidaktik an der Universität Hamburg.

Forschungsprojekt

"Erleben und Handeln im sportpädagogischen Diskurs"

Das Ziel und der Gang des Projektes lassen sich wie folgt skizzieren:

1. Problemstellung und Zielsetzung

Erleben und Handeln k–nnen als die beiden Momente begriffen werden, die "Bewegung, Spiel und Sport" grundlegend konstituieren. Zugleich enthalten diese beiden Begriffe eine erzieherische Brisanz und eine pädagogische Qualität, die es empirische zu erfassen und theoretisch zu beschreiben gilt. Das "Erlebnishafte" ist gleichsam Gütemaß und Grundwert pädagogisch bedeutsamen Bewegungshandelns und somit herausfordernder Forschungsgegenstand. Das leitende Interesse meiner Forschung ist in diesem Zusammenhang auf vier Fragenkomplexe gerichtet:

1.1. Wie zeigt sich die kindliche Bewegungswelt in den Zeichen von Erleben und Handeln? Wie kann man das Erlebnishafte von Bewegung, Spiel und Sport erforschen? Welche methodologischen und welche pädagogischen Fragen ergeben sich daraus?

1.2. Lassen bzw. wie lassen sich diese Fragen im gegenwärtigen Diskurs der Sportpädagogik stellen und beantworten? Wie ist der sportpädagogische Diskussionsstand in Bezug auf die beiden Kategorien Erleben und Handeln?

1.3. Welche theoretischen Implikationen sind im Erleben und welche im Handeln enthalten und wie läßt sich beides zu einem Instrumentarium zusammendenken, das es ermöglicht empirisch und theoretisch gehaltvolle Aussagen zur Bewegungserziehung zu machen?

1. 4. Wie bewährt sich dieses Instrumentarium bei der Erfassung und Interpretation der außerschulischen Bewegungswelt und der schulischen Bewegungserziehung von Kindern? Die Zielsetzung des Projektes ist darauf gerichtet, ein didaktisches Konzept der Bewegungserziehung zu formulieren, durch das praktisches Handeln sowie Erleben erfasst und handlungs- sowie erlebenstheoretisch fundiert werden kann.

2. Arbeitsschritte und Ergebnisse

Die vier Fragenkomplexe kennzeichnen auch meine Arbeitsschritte:

2.1. Die empirische Erforschung geschah und geschieht über das Miterleben und Mithandeln in kindlichen Handlungs- und Erlebenswelten des Sich-Bewegens. Das Ergebnis sind Erlebnistexte, die unmittelbar und geradehin geschrieben werden und das Erlebnishafte sozusagen noch in sich tragen. Bisher liegen Texte zu folgenden Bereichen vor: Außerschulische Bewegungswelt: Haus, Garten, Straße, Sportverein, Wasser, Eis und Schnee. Schulische Bewegungserziehung: Sportunterricht, Sitzunterricht, Pausenhof, Exkursionen. Die Qualität und auch die wissenschaftlichen Probleme der Texte liegen in der relativen Unverstelltheit, Authentizität und Subjektivität. Der Anspruch und die Herausforderung meiner Forschung besteht darin, diese ästhetisch-sinnliche Dimension der Erkenntnis aus Erfahrung an der spachlich-diskursiven Dimension der Erkenntnis aus Reflexion zu spiegeln und damit auch das subjektive Moment ins Inter-Subjektive zu überführen.

2.2. Der erste theoretische Orientierungsversuch über die Untersuchung der sportpädagogischen Literatur erbrachte folgendes Ergebnis: Das Handeln spielt zwar eine zentrale Rolle und der Begriff der "Handlungsfähigkeit" ist die gegenwärtig dominierende Leitidee des Schulsports. Aber es gibt keine sportpädagogische Theorie zum Handeln, die hinreichend fundiert und orientiert. Beim Erleben ist die Kluft zwischen der Beanspruchung des Begriffes und seiner theoretischen Klärung noch größer als beim Handeln. Das Zusammenspiel von Erleben und Handeln bei der Konstitution sportlicher Wirklichkeit ist erst gar nicht in den Blick genommen. In der sportpädagogischen Theoriebildung zeigen sich eklatante Defizite im Hinblick auf die konstituierende Bedeutung ihres Forschungsgegenstandes durch Erleben und Handeln.

2. 3. Durch eine zweite theoretische Orientierung über das Studium von Theorien zum Handeln und zum Erleben konnten die sportpädagogischen Lücken z.T geschlossen und ein didaktisches Konzept angedacht werden, das das Lehren und Lernen von Bewegung auf folgender Erkenntnis aufbaut: Die Reflexion in der Zeit stellt das Kernstück und die zentrale Herausforderung dar. Der Bewegungsvollzug in der je gelebten Gegenwart ist gewissermaßen reflexionslos. Hier sind Handeln und Erleben, aber auch Innen und Aussen, Subjekt und Objekt aufgehoben. Sie treten erst in der zeitlichen Dimension und durch das darin eingelagerte Moment der Reflexion auseinander: Das Erleben ist retentionaler Natur und reflektiert rückwärtsgewandt. Es merkt gewissermaşen sinnlich die Folgen des Handelns und lagert sich als leibliche Erinnerung in dieses ein. Das Handeln ist intentionaler Natur und reflektiert vorwärtsgewandt. Was es vorhat und was es bewirkt, will gewissermaşen noch erfahren und erlebt werden. Die Komplemantarität der Reflexion zwischen Handeln und Erleben stellt die Grundfiguration meiner sportpädagogischen Konzeption dar und liefert das Instrumentarium zur Erfassung, Konstruktion und Interpretation von Bewegungserziehung.

2. 4. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt meiner Forschung widme ich mich der Frage, wie sich das skizzierte Konzept in der Praxis und Theorie einer Bewegungserziehung bewährt. Zum einen sollen die im ersten Schritt erstellten Erlebnistexte nun eine gezielte Interpretation erfahren. Jetzt (zwei bis fünf Jahre später) soll das Erlebte konzeptgeleitet interpretiert und zu sportpädagogischen Fällen oder zu Beispielen umgeschrieben werden. Zum anderen soll mit dem Instrumentarium meines handlungs- und erlebensorientierten Ansatzes Bewegungserziehung in der Schule didaktisch konstruiert, geplant und ausgewertet werden.

Ausgewählte Publikationen


kunst.erzwiss.uni-hamburg.de, www-team, Impressum, 28. April 1998


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