Der Weg zur Hyperrealität bei Jean Baudrillard
(Claudia Lemke)
1.
Vorstellung des Autors
2. Baudrillard und Marxismus
3. Baudrillard und Strukturalismus
4. Zeichen und Produktion
5. Simulation und Hyperrealität
6. Link
- Baudrillards frühes Werk ist geprägt durch die Einflüsse des Marxismus und des Strukturalismus.
- Viele B.s zentraler Thesen (u.a. die der Potentialisierung der Realität
zur Hyperrealität) haben sich in Auseinandersetzung mit marxistischen
und strukturalistischen Ideen entwickelt.
- Im 1973 erschienenem Text La miroir de la production ou Iílllusion critique du matérialisme historique (Mirror of Production 1975) kontrastiert B. seine Position zu der Marx.
- B. übt Kritik an Marx und behauptet, er sei nicht radikal genug. Marx stärke die Grundannahme des Kapitalismus mit seiner Betonung der Zentralität der Produktion.
- Marx Ideen, sowie der Ideologie des Kapitalismus lege die Annahme zugrunde, die (Gott)gegebene Zweckmäßigkeit des Menschen sei die Eroberung der Natur.
- Nach diesem Menschenbild unterscheidet sich der Mensch dadurch vom Tier, daß er in der Lage ist, seine Umwelt produktiv nach seinen Bedürfnissen zu beeinflussen (Werkzeugnutzung).
- B. kritisiert dieses Menschenbild und stellt die Frage: ëWas sind Bedürfnisse?í
- Im Zeitalter der industriellen Produktion können ëwahre Bedürfnisseí gar nicht mehr festgestellt werden, behauptet Baudrillard. Wir haben die Qual der Wahl. Die Freiheit zu entscheiden, wird dem Konsumenten aufgezwängt.
- Das System der Bedürfnisse ist nach B. also produziert durch das System der Produktion.
- Ferdinand de Saussure, Begründer der strukturalen Linguistik, unterschied das Signifikat (das Bezeichnende) von dem Signifikanten (das Bezeichnete). Beide zusammen bilden in Saussures Lehre einen positiven Wert.
- Das Signifikat ëTischí z.B. hat keine (göttliche) Berufung, das Möbelstück zu representieren. Man könnte genau so gut ëtableí sagen. In Verbindung mit dem Signifikanten ergibt es jedoch einen positiven Wert, etwas ëRealesí.
- Baudrillard hält dagegen, daß nicht nur das Signifikat willkürlich ist, sondern die Gesamtheit der Beziehung zwischen Signifikat und Signifikant.
- Die Gleichung Signifikat plus Signifikant = positiver Wert bezeichnet B. als das tyrannische Prinzip des Zeichens. Die Sonne ist die Sonne und nichts anderes.
- Nach B. jedoch existiert die Sonne nicht als positiver Wert, nicht
als reales Ding. Sie ist lediglich eine semiologische Reduktion. Keine
Art von Representation kann die ëWahrheití wiederspiegeln
- B. sieht das Zeichen als Komplizen des Kapitals.
- Zeichen und
Waren setzt er insofern gleich, als daß sie 1. ein Alibi brauchen
(das Zeichen braucht das Bedeutungsalibi, die Ware braucht das Bedürfnis/Gebrauchswertalibi)
und 2. auf gleiche Weise zirkulieren.
- Das Zeichen hilft der kapitalistischen Produktionsweise, indem es sich als positiven, rationalen, tauschbaren Wert präsentiert. Es tut dies zum Preis der Mehrdeutigkeit bzw. offener Bedeutungs- strukturen.
- Erst durch Abstraktion (Zeichen) wird ein Ding zum Ding, zum Wert,
zur Ware.
- Simulation ist bei B. keine Nachahmung, keine Reproduktion des Realen. Es ist vielmehr ein Zusammenfallen des Scheinbaren mit dem Realen, des Wahren mit dem Falschen.
- Simulation erzeugt und verdoppelt das ëRealeí.
- B. unterscheidet 3 Stadien der Simulation:
1. Von der Renaissance (15. - 16. Jhd.) bis zur Industriellen Revolution (spätestens 18. Jhd.) Renaissance simuliert die Antike. Es entsteht die Mode. Fälschungen aller Art proliferieren (Falsche Hemdfronten, Barocke Architektur, Entstehung utopistischer Vorstellungen etc.) Zeichen reflektieren nicht mehr eine grundlegende Realität, sondern pervertieren und maskieren eine grundlegende Realität.
2. Industrielle Periode (19. Jhd.) Die Aufhebung feudaler Strukturen und die Entwicklung der Massenproduktion verhalfen Geld (als sozialen Unterscheidungswert), Ware und Zeichen zu einem neuen Stellenwert. In der intustriellen Phase maskiert das Zeichen die Abwesenheit einer grundlegenden Realität. Realität ist (Re)Produktion.
3. 20. Jhd. Diese Phase ist dominiert duch Simulation. Informationstechnologien, digitale Netze, genetische Forschung etc. ermöglichen ein verschwiden der Grenzen zwischen wahr und falsch, zwischen Fiktion und Realität. Es entsteht das Hyperreale.
ëIt was in fact with hyperrealism and pop art that everything began, that everyday life was raised to the ironic power of photographic realism. Today this escalation has caught up every form of art, every style, and all, without discrimination, have entered the transaesthetic world of simulation.í (J.Baudrillard: The Transperancy of Evil, Verso, London 1993)
Horrocks, C.; Jevtic, Z.: Baudrillard for Beginners, Icon Books, Cambridge 1996