Der Internet-Suchdienst wer-weiss-was

(Heiner Jürgensen)





Zu wer-weiss-was:

Der Internet-Suchdienst wer-weiss-was existiert seit dem 11.April 1996 im World-Wide-Web (WWW). Gründer dieses Dienstes und momentan für diesen verantwortlich sind drei Informatik-Studenten der Universität Hamburg, die sich momentan (im Frühjahr 1998) im neunten Semester befinden. Das Projekt, das als ein Hobby abseits der Lehrveranstaltungen der Universität entstand, jedoch tatkräftig von dem Arbeitsbereich DBIS (Datenbank- und Informationssysteme) unterstützt wurde, ist durch fortwährende Pflege beständig gewachsen und hat eine feste Internet-Gemeinschaft (—Community") aufbauen können, die Ende Januar die stolze Zahl von 12.726 Mitgliedern zählte, die in diesem Monat für 309.000 Seitenabrufe sorgten.
wer-weiss-was definiert sich selbst als einen —kostenlosen Fachleute-Suchdienst im Internet" und unterscheidet sich damit von den meisten anderen Suchdiensten wie bspw. Altavista, Yahoo oder Dino. Das Ziel ist hier also nicht, nach Seiten im WWW zu suchen, sondern nach Menschen - global eindeutig repräsentiert durch deren Emailadresse.

Jedem ist es freigestellt, kostenlos Mitglied zu werden und diesen Dienst zu nutzen. Nach der Anmeldung kann sich der neue Benutzer mit bis zu 15 Interessensgebiete, in denen er sich auskennt, eintragen. Dies sind dann die Fachgebiete, nach denen gesucht werden kann, um dem jeweiligen Fachmann zu diesen Themen Fragen zu stellen. Ende Januar wurden mehr als 85.000 verschiedene Interessensgebiete gezählt.
Ein Beispiel zu einer Suche: Ein Benutzer ist mit den Gebieten —Aquarien bauen" und —Zierfische züchten" eingetragen. Sucht ein anderer nach dem Begriff —Aqua", so findet er diesen Benutzer - aber natürlich auch alle anderen, die sich bspw. mit —Aquarium" eingetragen haben. Sucht ein weiterer nach —Aquarien" und —züchten", so wird unser Zierfisch-Fachmann zu beiden Suchbegriffen lokalisiert.
Die einzigen Voraussetzungen, um wer-weiss-was nutzen zu können, sind also das Vorhandensein einer eigenen Emailadresse und die grundsätzliche Bereitschaft, Fragen per Email zu beantworten.
Seit dem 1.September 1997 sind zwei weitere Dienste zu dem ursprünglichen Suchdienst hinzugekommen: ein Experten-Chat und ein Fragen-Forum. Für den Chat werden unregelmäßig Themen angeboten, zu denen ein Moderator Besucher empfängt, um mit diesen zu dem jeweiligen Begriff zu plaudern. Das Fragen-Forum ähnelt den Newsgroups des Internet - auch hier sind Themen in Form von —schwarzen Brettern" angeordnet und beherbergen zahlreiche Fragen und Antworten diesbezüglich. Auch diese Dienste sind kostenlos, stehen aber nur dem angemeldeten Benutzer offen.

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Zum Thema des Seminars:

Um einen Bezug zum Thema diese Seminars zu finden, zitiere ich den Eintrag im KVV (Seite 20) zu dieser Lehrveranstaltung:
—Unübersichtlichkeit, Orientierungslosigkeit, schwankende Fundamente - das ŽEnde des DurchblicksŪ (Derrida) ist gekommen. Die Hoffnung auf Demokratisierung des Weltwissens, die Aufklärung des Menschen scheint schlicht an der Menge der Informationen, die der Mensch produziert, zu scheitern. Im WorldWideWeb werden diese Informationen nun auch noch zugänglich - wir sind real konfrontiert mit Millionen von Behauptungen, Bezeichnungen und Bedeutungen... Der einzelne Mensch kann immer nur Wissensprovinzler bleiben, oder bestenfalls Fachidiot. [...]"

Es ist vielleicht übertrieben zu behaupten, daß wer-weiss-was die beschriebenen Probleme lösen kann oder dies auch nur versucht. Tatsächlich gehen die Macher dieses Suchdienstes davon aus, daß jeder Mensch in irgendeinem Gebiet Fachmann/-frau ist - oben etwas negativ als —Fachidiot" bzw. —Wissensprovinzler" beschrieben. Das Internet bietet eine Flut von Informationen, die diese Leute im Einzelnen aufbereitet haben. Doch damit existiert auch der generelle Gedanke und Wunsch, diese Informationen anderen zugänglich zu machen. Zwei grundlegende Probleme kristallisieren sich dabei heraus.
Das Problem des —Wissenden" könnte man aus seiner Sicht wie folgt beschreiben: —Ich weiß etwas, aber keiner weiß, daß ich es weiß. Ich bin Experte auf einem Gebiet und möchte mein Wissen anderen zugänglich machen, doch wissen sie nicht, daß es mich gibt und was ich kann." Parallel dazu existiert das Problem des Informations-Suchenden. Aus seiner Sicht könnte man es so formulieren: —Ich habe eine Frage und weiß (oder vermute), daß es jemanden im Internet gibt, der darauf eine Antwort kennt. Doch wie soll ich sie/ihn finden?"

Was also fehlt, ist der zentrale Kontakt der Autoren zu den Informations-Suchenden im dezentralen Internet. Diverse Autoren von Suchmaschinen haben dies erkannt und bieten ihre Dienste an, um mit Hilfe von Stichworten Seiten im Internet aufzuspüren, in deren Inhalt sich die angegebenen Worte finden lassen. Besucht der Benutzer nun diese Seiten, so findet er im besten - aber eher im seltenen - Fall genau die Information, die er benötigt. Im schlechtesten Fall findet er keine, oder er findet zu viele und wird durch Mißdeutigkeiten in die Irre geführt und abgelenkt, bis schließlich der Zeitaufwand unverhältnismäßig groß zur gesuchten Information wird. Oftmals ist unklar, wie aktuell die jeweilige Information ist, manchmal, wer der Autor ist und wie man mit ihm in Kontakt tritt - sofern letzterer diesen direkten Kontakt überhaupt wünscht und nicht als Belästigung empfindet. Einige Seiten existieren nicht mehr oder sind so verändert worden, daß die gesuchte Information nicht mehr vorhanden ist. Andere Seiten sind schlicht veraltet und/oder vom Autoren vergessen worden.
Wie es sich gezeigt hat, bietet die Form des Austauschs, die wer-weiss-was favorisiert, ein größeres Potential. Jeder, der offizieller Benutzer dieses Dienstes wird, verpflichtet sich ja im Gegenzug, zu den Fragen, die er anderen per Email stellt, einkommende Fragen zu beantworten. Dies geht zwar meist nicht so schnell wie eine direkte Recherche im World-Wide-Web, ist aber dafür effektiver. Zum einen kann der Antwortende unmittelbar auf die Frage eingehen. Im besten Fall entwickelt sich daraus ein reger Austausch, und auch zukünftig werden Fragen im selben Zusammenhang beantwortet werden können. Zum anderen erspart es dem Informations-Suchenden Online-Zeit.
Auch bei wer-weiss-was gibt es eine Suche nach Stichworten. Hier beziehen sich die Worte allerdings direkt auf die Fachgebiete der Benutzer, wodurch gefundene Einträge mit größerer Wahrscheinlichkeit brauchbare Ergebnisse erzielen. D.h. die Ergebnisse der Suchanfragen sind von höherer Qualität als die bei Seiten-Suchdiensten.
Natürlich bewertet wer-weiss-was keine Antworten und verhindert nicht, daß falsche oder unzureichende Antworten gegeben werden. Eine derartige Kontrolle ist nicht gewünscht und auch technisch nicht vorgesehen, werden schließlich lediglich die Email-Adressen der Benutzer gefunden. Die Gefahr der Falschinformation dürfte jedoch geringer als bei einer herkömmliche Recherche im WWW liegen, bietet der Austausch per Email doch auch die Möglichkeit für Nachfragen.

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Abschließende Worte:

Ich möchte zuletzt noch erwähnen, daß auch wer-weiss-was nicht der Weisheit letzter Schluß ist. U.a. benötigt ein Informations-Suchender oftmals möglichst schnell Informationen und kann oder will nicht darauf warten, bis eine Email ihn erreicht. Außerdem besteht zwar die lose Verpflichtung, ankommende Fragen zu beantworten, doch wird keiner dazu gezwungen, so daß der Fragesteller vergeblich wartet. Andere Fragen wären so aufwendig zu beantworten, daß es kaum einer wagt, sich diese Mühe zu machen.
Ich denke, daß nur die gezielte Wahl aus den verschiedenen Suchdiensten für die jeweilige gewünschte Information (und damit zusammenhängenden Rahmenbedingungen) dem Internet-Benutzer die Möglichkeit gibt, effektiv seine Bedürfnisse zu befriedigen. Dies ist eine Möglichkeit, die aber ein anderes Problem aufwirft: Was ist die —richtige" Wahl aus der Fülle der im WWW angebotenen Suchmaschinen?

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