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1001 Frame
CD zum European
Media Art Festival
1994
Die Festival-CD zum European Media Art Festival Osnabrück 94 enthält 1001 digitalisierte Kunst- und Experimentalfilme mit einer Länge von jeweils 1001 Frames. Es ist eine reizvolle Aufgabe für Screendesigner, die Materialmenge mit einem angemessenen Navigationssystem zu versehen.

Da die CD ausdrücklich im Bereich der Kunst angesiedelt wird und eine entsprechende Nutzergruppe ansprechen will, wurde hier mit künstlerischen Strategien im Bereich des Interface-Designs gearbeitet. Statt Navigation, eine aus der Seefahrt stammende Metapher, die ein Ziel impliziert, sollte allerdings besser vom "browsen" (engl.: herumblättern, flüchtig lesen) gesprochen werden. Durch geschickte Navigation findet man ein zuvor ausgewähltes Ziel schnell und sicher. Hier führt diese Strategie ins Chaos - zuviele Zufallsparameter sind eingebaut, kaum ein Button ist als solcher zu erkennen, noch verrät er ohne ausprobiert zu werden seine Funktion.

Für jemanden, der vor Computern keine Angst hat und sich auf künstlerische Spielereien einlassen kann, eine faszinierende Angelegenheit: Die von Heiko Idensen und Matthias Krohn produzierte CD ist das absolute Gegenteil zu einem Informationssystem, vielmehr glänzt sie geradezu durch jegliche Abwesenheit von Sinn, sie verführt so zu einer Art geistigen Flanierens - und kommentiert damit auf eine subtile Art aufklärerische Hoffnungen, die in digitale Informations- und Dokumentationssysteme gesetzt werden.
Eine Ideen-Fundgrube für Screendesigner, die kunstnahe Spiele mit Ernstcharakter erstellen wollen.