ROLLENSPIEL  
     
Versuch einer Definition "Was ist ein Rollenspiel? Das Rollenspiel ist eine verhältnismäßig junge Form der Literatur, deren Inhalt das quantifizierte, interaktive Erzählen von Geschichten ist. Die von den Spielern geführten Charaktere sind dabei die Helden der Abenteuer. Im Gegensatz zum Hörspiel, wo die Akteure nur darstellen, können Rollenspieler den Verlauf der Geschichte tatsächlich beeinflussen. Um vergleichbare Ergebnisse bei Aktionen zu erhalten, werden die Fähigkeiten der Charaktere in Zahlenwerten ausgedrückt. So können Handlungsabläufe mit Hilfe von Würfelwürfen und diesen Werten aufgelöst werden. Die Spieler laufen also nicht tatsächlich herum und tun die im Spiel vorkommenden Dinge, sondern sie erzählen sie nur! Alles was passiert, ist Reden!"  
  Gunilla Jonsson und Michael Petersen: "Kult", Mainz 1991  
     
Eine Rollenspiel - Sitzung R3.1 "Wie stellt sich ein FRSp-Abend einem unbeteiligten Besucher dar?
Eine Gruppe von ca. 6 Personen um Mitte 20, überwiegend männlichen Geschlechts, sitzt um einen Tisch herum. Auf selbigem liegen ein Haufen loser Zettel, Würfel, Bleistifte, Kekse und Trinkbares. Ein Teilnehmer, neben dem sich besonders viel Papier nebst einigen Büchern stapeln, sitzt entweder verschanzt hinter einem Sichtschirm, oder mit einem überquellenden Ringbuch auf den Knien. Ein ständiges Gespräch mit wechselnden Teilnehmern liegt in der Luft, wobei immer wieder die Gegenstände auf dem Tisch fleißig benutzt werden. Es wird gestikuliert und sich bedeutungsvoll angeschaut; die Interaktionsdichte ist groß. Der Raum wird nur selten verlassen, um z.B. aufs Klo zu gehen oder Nachschub für das leibliche Wohl zu besorgen.
Eine solch oberflächliche Beschreibung genügt schon, um zu verdeutlichen, daß diese Spielsituation ziemlich klar gegenüber der übrigen Umwelt abgegrenzt ist. Das Spiel scheint die einzig wichtige Realität für die Teilnehmer darzustellen. Drei Regelsätze ermöglichen sowohl diese wirklichkeitserzeugende Kraft des Spiels als auch die Trennung jenes relativ eigenständigen, kleinen Sozialsystems von der restlichen Umwelt. Dies sind nach Goffman (1973) und Ballstaedt (1976) die Regeln der Irrelevanz, die konstitutiven (Transformations-) Regeln und die regulativen Regeln. Letztere sind die Spielregeln im engeren Sinn, die Ablauf und Ergebnisse von Handlungen im FRSp bestimmen."
 
Identifikation "Die konstitutiven Regeln erstrecken sich auch auf die Teilnehmer. Sie selber gehen in das Spiel ein, indem sie aus ihren jeweiligen Alltagsrollen in die Rollen der Fantasy-Figuren schlüpfen Figuren, die oftmals völlig andere Eigenschaften haben als ihre Spieler. (Wer kann schon mit Tieren reden?) Dementsprechend verändert sich auch das vorgestellte Verhalten der Spieler. Sie tun so, als ob..., sie stellen sich vor, was in ihnen steckt, wenn... Sie können sich ausleben auf Gebieten, die ihnen sonst verwehrt sind."  
  Peter Kathe: "Struktur und Funktion von Fantasy Rollenspielen", Friedberg 1987
http://www.rpg.net/252/quellen/kathe/
 
     
Spiel und Okkultismus The imaginative production of a role-playing game's "virtual reality" is not dissimilar to ceremonial magic. RPGs consist of a defined space and time; random dicethrows; source books; a game system that organizes numbers, rules and characteristics; and, most importantly, the active imagination of the players. Organized magical rituals follow a superficially similar scheme: a coherent and graded system carves out a performative space and time wherein divinatory randomness, data from occult cookbooks, and symbolic networks of numbers and signs come to life within the active imagination of the mage, a "playful" imagination that calls forth--and even becomes--the autonomous "characters" of the gods.  
 

Erik Davis: "Calling Cthulhu - H.P. Lovecraft's Magick Realism"
http://www.levity.com/figment/lovecraft.html