Was sind eigentlich Rollenspiele?

Versuch einer Erklärung

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Mal ganz trocken angefangen

Es ist immer schwierig, von "innen heraus" Außenstehenden etwas zu erklären, aber ich will's versuchen

Jeder Mensch spielt in seinem Leben gelegentlich Rollen, aus freien Stücken heraus oder auch unter dem Druck, gewissen gesellschaftlichen Normen entsprechen zu müssen. So hat jede Person meist mehrere Rollen, die sie spielt, zum Beispiel:

Ok, alles nicht ganz nette Beispiele, aber es geht auch anders:

Was ist aber zu tun, wenn man nun wissen will, wie es wäre, mal eine andere Rolle zu spielen? In der Regel hat man keine Chance, einfach per Entschluß einmal ein anderes Verhalten zu erproben. Wenn man mit einer seiner Rollen nicht zufrieden ist, hat man halt Pech...

Genau hier ist der Ansatz, um Rollenspiele zu betreiben - auch in der psychologischen Praxis. Diese laufen eigentlich immer nach dem Schema "Was wäre, wenn..."


Am Anfang steht das Szenario

Es scheint also so zu sein, daß Rollenspiele dazu dienen können, Handlungsweisen zu simulieren. Aber wie geht das denn jetzt eigentlich konkret?

Zunächst einmal treffen sich einige Leute, die gemeinsam ein Rollenspiel betreiben wollen. Zusammen hat man sich auf eine Umwelt geeinigt, in der man spielen will.

Moment mal! Wieso auf eine Umwelt geeinigt? -- Nun, wir reden hier in erster Linie von fantastischen Rollenspielen, das heißt von Rollenspielen in erfundenen Phantasiewelten. Einige Beispiele:

In dieser definierten Spielwelt erstellt sich nun jeder Mitspieler und jede Mitspielerin einen Spielcharakter. Zu diesem Charakter überlegt man sich eine Beschreibung, sowohl was das Äußere, als auch, was das Verhalten angeht. Natürlich sollte dieser Charakter in die Umgebung passen, in der gespielt wird. Ein Astronaut hat in Mittelerde wahrlich nichts zu suchen. Wiederum einige Beispiele, jeweils für die angeführten Beispielwelten:

Wir wären also wieder da, wo wir oben waren, aber jetzt konkret: "Was wäre, wenn ich der böse Wolf im Märchen mit den sieben Geislein wäre?" oder: "Wie würde ich mich verhalten, wenn ich Frodo, der Hobbit wäre?".


Jetzt wird's spannend!

Eigentlich würde das ja schon reichen: Man hat ein Szenario und eine Figur, die man spielen möchte. Einige Leute machen aus dieser Situation auch schon reichlich Rollenspiel.

Um der Sache aber noch mehr Würze zu geben, wird aus der Reihe der Spielenden ein Spielleiter bzw. eine Spielleiterin ausgeguckt. Diese(r) denkt sich innerhalb des Szenarios eine Geschichte aus, meist in Form eines Detektivabenteuers oder einer Schatzsuche.

Die Spielercharaktere erhalten nun einige Informationen, um was es in dem Abenteuer geht und stürzen sich in die Aktion. Natürlich kommt es dabei vor, daß sie sicht nicht nur mit den anderen Charakteren, sondern auch mit anderen Leuten treffen, die die Spielwelt bevölkern. Diese sogenannten NSCs (Nichtspielercharaktere) werden alle simultan von der Spielleitung gespielt.

Es entsteht also während eines solchen Rollenspiels jede Menge Interaktion und jeder Spielende kann die "was wäre, wenn..:"-Erfahrungen sammeln.


Was war das denn mit den Würfeln?

Hier kommt das Rollenspiel in die Nähe der klassischen Brettspiele. Manche Aktionen werden vom Zufall abhängig gemacht, um noch ein wenig Würze ins Spiel zu bringen. Viele Rollenspieler verwenden hierzu nicht nur die klassischen Sechserwürfel, sondern auch solche mit 8er-, 10er- oder auch 100er-Teilung - meist gibt das ein recht buntes Bild auf dem Tisch.

Hierzu erhalten die Charaktere neben der Beschreibung ihres Auftretens und ihres Charakters auch sogenannte Charakterattribute zugewiesen, die beschreiben, wie gut er oder sie bestimmte Aktionen durchführen kann. Einige Beispiele:

Nachdem jetzt ein Charakter einige Fertigkeiten hat, werden die Perfektionsgrade für diese Fertigkeiten bestimmt. Wieder ein Beispiel, diesmal konkret:

Schwierig? Das hängt vom Spielsystem ab. Einige Leute haben sich nämlich Gedanken darüber gemacht, welche Situationen in einer Spielwelt vom Zufall abhängen können und haben die Ergebnisse dieses Nachdenkens in dicke Regelwerke verpackt, die man in einschlägigen Läden kaufen kann.

Da Rollenspiel ein stark zunehmendes Hobby ist, wittern natürlich viele Leute das große Geld in diesem Markt - entsprechend viele Spielsysteme gibt es, gute, ebenso wie schlechte - schwierig zu erlernende, ebenso wie leichte.

Letztendlich gilt aber: Das Spielsystem ist zweitrangig, sofern die Spielsituation gut ausgedacht und die Spieler und Spielerinnen motiviert sind.


Warum macht man das eigentlich?

Kurz gesagt: Weil's Spaß macht.

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willie@hit.handshake.de, 07. Oktober 1996