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Er schrieb, es käme ihm vor als habe er das Bild gemalt. Nichts sei so poetisch wie das Bild im Bild - insbesondere, wenn das Bild im Bild fehle, wenn es auf ein Bild verweise, das gar nicht da sei.
Es stelle sich ihm, so schrieb er, die Frage nach dem Urbild: Dem Bild, das die anderen Bilder erzeuge.
Das Wesentliche an der Kunst sei unsichtbar. Das Fehlen der Bilder, die eigentlich da sein sollten, erzeuge Bilder im Kopf - Neben denen, die ungefragt eingefallen seien.

Er schrieb, er werde sich auf die Suche nach den verlorenen Bildern machen, er wolle zum Ursprung der Bilder zurück, das Urbild wiederentdecken. Natürlich, so fügte er hinzu, wisse er, das es das nicht gäbe, aber die Frage zu stellen, ließe er sich nie nehmen.





Torsten Meyer, kunst.erzwiss.uni-hamburg.de, 7. April 1997