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Er schrieb, er frage sich, ob die Bilder eine Rolle spielten im geistigen Immunsystem; ob es analog zu Antigenen, Stoffen die nicht zum Körper gehören, auch Antinome gäbe, Eindringlinge in die Erkenntnis, für die es keine Namen gäbe.

Könnte es sein, so schrieb er, daß wir uns Schilder oder Mauern bauen, die uns vor dem Unbenennbaren schützen? Vor dem Unheimlichen, das wir nicht heimisch machen können - das dann auftauche, wenn es nicht soll?

Er schrieb, er habe mit Psychoanalytikern gesprochen: Das Unheimliche sei eigentlich etwas, was heimlich sei, das im Verborgenen ruhe, verdrängt sei. Es müsse ver-heimlicht werden, gut abgedichtet gegen das Hervortreten, sonst würde das Heimliche zum Unheimlichen.

Er meinte, diese Überlegung kehre das Äußere nach innen, das Antinom sei nicht außen in den unendlichen Weiten, sondern innen, hinter Schildern und Mauern versteckt.





Torsten Meyer, kunst.erzwiss.uni-hamburg.de, 7. April 1997