Andrea Friedrichs
 

Brockhaus GmbH: Bd. 13 (Tan-Vir); Leipzig - Mannheim 1999

Unsinnsliteratur: (Unsinnsdichtung, Unsinnspoesie, Nonsensliteratur), liter. Gestaltungen, meist Verse (--Nonsensverse), die durch absurde Vorstellungen, undlogische Gedankenverbindungen oder bloße Klangspiele verblüffen; sie sind v.a. Kinderliedern und Abzählreimen nachgebildet und haben sich bes. Seit dem 19. Jh. Durch die Werke E. Lears und L. Carrols etabliert. In neuerer Zeit bestanden Anknüpfungspunkte zur abstrakten Dichtung und zur konkreten Poesie.

Brockhaus GmbH: Bd. 13 (Ses-Tam); Leipzig - Mannheim 1999

Sinn: allg. und  im philosphischen Sprachgebrauch: die Bedeutung bzw. Der Wert einer Sache, eines Vorgangs, eines Erlebnisses für jemanden oder etwas, daneben auch gleichbedeutend mit Zweck, Funktion. In der sprachanalytischen Philosophie unterschied G. Frege zw. S. und  Bedeutung sprachl. Zeichen (" Morgenstern" und "Abendstern" bedeuten dasselbe, haben aber nicht denselben S.). Sinnvolles Handeln strebt einem Ziel zu, das selbst einen Wert darstellt. Dieser S.-Begriff wird auch auf die Geschichte und die Natur übertragen. Seit F. Nietzsche bezieht sich S. auch auf das Selbstverständnis des Menschen (S. Des eigenen und des Lebens überhaupt).

Metzler - Philosphie - Lexikon: Begriffe und Definitionen; hrsg. Von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard -- Stuttgart; Weimar; Metzler, 1996

Sinn: (2), Die Frage nach dem Sinn eines Geschehen zielt zumeist auf die Angabe eines Zweckes, des Worumwillens als Ziel einer Handlung. Dabei ist die Fragestellung und ihre "sinnvolle" Beantwortung abhängig von Voraussetzungen und einem jeweils umgreifenderen Sinnhorizont. .... gelten bestimmte Mittel als sinnvoll, wenn sie dem Erreichen des Zieles dienen.

Eine Definition des "reinen" ; Wortes Unsinn ist in beiden Büchern nicht zu finden.

Beschäftige ich mich mit der Bedeutung des Wortes Sinn, stelle ich fest, daß es in diesem Zusammenhang  in Kombination mit einer Handlung, einem Geschehen, einem Hintergrund, einer Tatsache gebracht wird und ähnlich einer Bedeutungdesselben ist. Sprich, Sinn macht das, was einen bestimmten Zweck, ein Motiv verfolgt, einer Sache, einer Handlung eine Bedeutung gibt. So macht Fahrradfahren Sinn, weil ich damit schnell und umweltfreundlich von einem Ort zum anderen komme, weil ich mich bewege und fit halte. Hier finden sich schnell verschiedene Punkte, die eine Handlung "sinnvoll" machen. Es entspricht in vielen Fällen sicher einem subjektiven Sinn, sprich demjenigen Sinn, der ganz individuell empfunden wird und von außen, also von einer "objektiven" Position aus, womöglich nicht erkennbar ist

Gehe ich nun davon aus, daß Unsinn die Negation des Wortes Sinn ist, muß ich davon ausgehen, daß Unsinn keinen Sinn ergibt, sprich keinen bestimmten Zweck verfolgt, kein Motiv im Hintergrund hat. Damit stellt sich mir die Frage, ob nicht jedes Geschehen, jede Handlung, jeder Umstand, jede Konstruktion auf irgendeiner Ebene einen Sinn hat. Wenn ich entsprechend suche und derselbige vielleicht nicht sofort zu entdecken ist. Er kann sehr subjektiv sein und im Verborgenen liegen. Selbst wenn R. Signer im Beispielfilm einen Stein aus dem Fenster des dritten Stockes hinunter auf eine Vorrichtung fallen läßt, damit sich der darauf befindliche Hut zu ihm nach oben bewegt, so wird hier ein Sinn zu finden sein, sei es ein Spiel, ein Spaß, ein Versuch, ein Zeitvertreib, ..... . Insofern fällt es mir schwer, Unsinn als eine Negation von Sinn zu definieren.

Unter Unsinn verstand ich bis jetzt immer eine Form von Klamauk, Spaß, etwas, worüber man lachen kann, was nicht mit tiefsinnigen Gedanken verbunden ist, was spielerischen Charakter hat und zur Leichtigkeit des Lebens beiträgt. Damit findet sich in dieser Defintion schon wieder ein Sinn. Man kommt hier schnell an die Grenze zum Wort Blödsinn, welches im Zusammenhang mit Albernheit, Quatsch, eventuell sogar einen negativen Anstrich bekommt. Blödsinn = dummes Zeug = jemanden womöglich ärgern, sich über jemanden oder etwas lustig machen, spinnen, sich zuviele, "unsinnige", an den Haaren herbeigezogene Gedanken machen.

Wenn wir uns die Frage stellen, ob Unsinn zur Produktivität beiträgt, Ideen, Kreativität, sowie Assoziationen weckt, dann bekommt auch dieser Unsinn schon wieder einen Sinn: sinnvoller Unsinn? Gibt es Unsinn dann überhaupt?

Im Brockhaus wird Unsinnsliteratur mit Absurdität, Unlogik in Zusammenhang gebracht. Gedankenspiele, die aus Assoziationsketten zueinandergebracht werden, auch wenn sie objektiv betrachtet keinen Zusammenhang haben. Also keinen objektiven Sinn ergeben. Vielleicht muß bei Betrachtung des Unsinns zwischen objektivem und subjektivem Sinn unterschieden werden. Liegt kein objektiv erkennbarer Sinn zugrunde, kann ich eine Sache vielleicht als Unsinn betrachten, was genauso umgekehrt möglich ist. Der objektive Sinn kann durchaus aus einer subjektiven, individuellen Perspektive unsinnig erscheinen. Beides kann mit einer Form des Nicht - Verstehens zu tun haben. Ich verstehe nicht, was eine Sache bezwecken soll, wie ich sie deuten soll, sehe keinen Sinn in ihr. Finde ich z. B. in einer Kunstausstellung in einer Ecke einige Bretter Holz, einen Eimer Farbe und ein zerknülltes Taschentuch, sowie ein Hinweisschild auf einen Künstler, dann kann es sein, daß ich mich frage, ob das vielleicht Unsinn sei. Ich verstehe es in dem Moment vielleicht nicht. Und muß lachen. Beschäftige ich mich länger damit, setze mich mit den Assoziationen auseinander, die in Betrachtung dessen geweckt werden, dann entdecke ich vielleicht doch einen Sinn und somit verliert der Unsinn schon wieder seine "Un - Sinnigkeit".

Immerhin bringe ich das Wort Unsinn mit Lachen, Witz in Verbindung. Und diese Gefühlsregungen wecken oftmals Energie, Kreativität, Produktivität, regen Gedanken und Ideen an. Womit wir beim Thema der Vorlesung wären.