Karl-Josef Pazzini

Vortrag zur Tagung "Understanding Museums III" Karl-Ernst Osthaus Museum Hagen11.2.96

 

Abstract

Ich möchte über die besondere Qualität der Sammlung von kleinen Stückchen des Realen sprechen, die nicht rein vorkommen, sondern immer metaphorisch überformt sind, also für etwas anderes stehen. Dabei ist die Institution Museum selber eine Vermittlungsform zwischen Realem und Symbolischen und Imaginären, man könnte sie in Zusammenhang bringen mit dem, was Kant ein Schema nennt. Eine andere mögliche Bezeichnung wäre: Das Museum ist ein Medium. Das Medium hat dabei immer materiale / reale Qualitäten. Dabei käme es auf die besondere Qualität der prinzipiellen Berührbarkeit, nicht der tatsächlichen, der Gegenstände an. In der "reinsten" Form hat dies Boullée in seiner Museumphantasie gezeichnet. Ich möchte also in meinem Vortrag Ihrer These widersprechen, daß das Museum kein Medium sei, andererseits (also Ihnen doch nicht ganz widersprechen) dafür plädieren, daß es nicht durch digitale Formen des Sammelns zu ersetzen ist. Es kann mit diesen höchsten bespielt, besprochen werden, wie auch schon früher mit Karteikarten, wissenschaftlichen Publikationen, Abbildungen, Führungen etc.

Das Museum als Kreuzung

Das Museum hat keine Gegenstände, es ist kein Gegenstand. Die in ihm enthaltenen kleinen Stückchen des Realen (auch das schon eine metaphorische Sprechweise) müssen immer erst zu Gegenständen für ein Subjekt werden. Das Subjekt muß sie also wahrnehmen können als von Bedeutung, als einer symbolischen Ordnung zugehörig und zugesprochen.Dieser Ordnung muß es sich zumindest passagèr unterwerfen können.
Signifikanz muß den kleinen Stückchen des Realen erst zugesprochen werden und das immer wieder, sonst kommt es zu Irrtümern, die das zerstören könnten, was wir, die wir schon im Sinne des Museums besprochen sind, und die wir schon besprochen haben, für Museumsobjekte halten. Sammlungsstücke könnten so auf dem Müll landen, oder wenn ein solchermaßen nicht gebildetes Subjekt ein bestimmtes Pissoir als Pissoir benutzt, kann es aus dem Museum fliegen. Es kann auch zu Irrtümern derart kommen, daß jemand in der Schatzkammer des Hamburger Völkerkundemuseums seine Eurocard zückt und nach dem Preis fragt, oder Museumspädagogen auftauchen, die gerne alle Vitrinen öffnen möchten, um neue Erfahrungen im Umgang mit Mumien zu machen ...