Lehre

Eine andere Empirie

In den »Lehr-Performances – Filmische Inszenierungen des Lehrens« thematisieren Manuel Zahn und Karl-Josef Pazzini als Herausgeber das Lehren als bislang unbekanntes, komplexes, nachhaltiges und wenig erforschtes Beziehungsgeflecht. Ausgehend von einer interdisziplinären Ringvorlesung an der Universität Hamburg entstand ein Buch, welches für bildungs-, kultur- und medienwissenschaftliche Kontexte höchst aktuell und interessant ist. Die Einzelbeiträge erforschen das Lehren als performatives Phänomen, welches nicht 1:1 in Lernprozesse übersetzbar ist, sondern längerfristig, mehrdimensional und interdisziplinär gedacht werden muss. Anhand von Filmen, wie »Die Welle«, »Das fliegende Klassenzimmer«, »Le Fils«, »L`Enfant sauvage«, »Der Club der toten Dichter«, »Entre le murs«, »Blackboards«, »Mona Lisas Lächeln«, »Monsieur Mathieu«, »The Wire«, »Das weiße Band« untersuchen de Autoren verschiedener Disziplinen nicht nur die filmische Darstellungen im Hinblick auf Facetten des Lehrens, sondern begreifen die Filme als eine andere Form der Empirie: Eine Empirie, die die Konstruiertheit und Fiktionalität ihrer Daten ernst nimmt.

Expedition Ästhetische Bildung in der Schirn

Die fünfte Expedition Ästhetische Bildung im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik fand am 9. Juni in der Schirn Kunsthalle Frankfurt statt. 16 Kunstpädagog/innen aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und Berlin und Hamburg trafen sich, um den kollegialen Dialog über Kunstvermittlung vor Ort zu diskutieren. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie man Vorstellungen und Imaginäres im Kontext von Ästhetischer Bildung thematisieren, aktivieren und kontextualisieren kann. Das Besondere dieses Austauschs war die gemischte Zusammensetzung der beteiligten Expertisen, bzw. Professionen: Drei Lehrerinnen, zwei Referendarinnen, vier Museumspädagog/innen, drei Studierende, zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und zwei Professor/innen aus unterschiedlichen institutionellen und regionalen Perspektiven.
Nach einem kurzen Vortrag zur kunstpädagogischen Arbeit im Museum (Hofmann), stellte die Leiterin der Kunstvermittlung der Schirn (Dr. Eschenfelder) mit ihrer Kollegin Rauber die eigenen Arbeitsweisen, Formate und Angebote vor. Unter der Leitung von dem freien Kunstpädagogen und Lehrbeauftragten Fabian Hofmann und Prof. Dr. Andrea Sabisch konnten die Teilnehmenden zwischen zwei Zugängen und Ausstellungen wählen. Während eine Gruppe bei der Führung zur Ausstellung von Francesco Clemente hospitierte, um diese im Hinblick auf die Öffnung für Imaginäres zu befragen, entwarf die zweite Gruppe zur Ausstellung der zypriotischen Künstlerin Haris Epaminonda eigene Ideen für Imaginationsbildungen, die in der Kunstvermittlung Anwendung finden können. Ein gemeinsames Gespräch über die verschiedenen Weisen der Vermittlung in Bezug auf die Exponate und eine zukünftige Vernetzung beendete den diskussionsfreudigen und anregenden Nachmittag.

Expedition Ästhetische Bildung 02

Im Rahmen des kunstpädagogischen Bundeskongresses 2010-2012 laden Andrea Sabisch (Universität Hamburg), Ansgar Schnurr und Rudi Preuss (TU Dortmund) in Hamburg und Nordrhein-Westfalen von 2011 bis 2012 zu verschiedenen institutionsübergreifenden Expeditionen ein, bei denen Studierende, Referendare, Museumspädagog/inn/en und Hochschullehrer/innen gemeinsam über Formen und Möglichkeiten ästhetischer Bildung reflektieren.
Die erste Hamburger Expedition Ästhetische Bildung in die Rahlstedter integrative Regelschule Potsdamer Straße war eine Entdeckungsreise zum Kunstunterricht von Christina Harms. In einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe der Klassenstufen 1-3 beobachteten zehn Kolleginnen aus Museum, Schule, Hochschule und Theater, wie Kinder Ideen für die Gestaltung von selbst entworfenen Möbelstücken zeichnerisch entwarfen, diese in Kleingruppen konzeptionell und praktisch entwickelten und besprachen. Nach dem vielschichtigen Einblick in singuläre und kollektive ästhetische Prozesse im Unterricht entstand unter den Expeditionsteilnehmerinnen ein kollegialer Dialog, der die Schwierigkeiten und Gelingensbedingungen von kunstpädagogischer Lehre in jahrgangsübergreifenden Gruppen thematisierte.

Einladung – Expeditionen Ästhetische Bildung

Unter der Federführung der Universität Hamburg (Prof. Dr. Andrea Sabisch) und der TU Dortmund (Dr. Ansgar Schnurr und Dr. Rudolf Preuss) soll im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik (www.buko12.de) eine Kommunikation über Formen kunstpädagogischer Lehre mittels Hospitationen zu verschiedenen Bildungsinstitutionen initiiert werden, um den kollegialen Dialog über Problemstellungen und Gelingensbedingungen von Kunstvermittlung und Kunstunterricht vor Ort zu fokussieren.
Allen Bildungsexpeditionen ist gemein, dass eine regionale Vernetzung und Partizipation zwischen verschiedenen außerschulischen und schulischen Lehrenden und zwischen verschiedenen Ausbildungsphasen (Studierende, Referendare, Lehrer, Hochschullehrer) angeboten wird. Ziel ist es, die professionelle Kommunikation und Reflexion von kunstpädagogischen Fragen der Lehre vor dem Hintergrund der unterschiedlichen institutionellen Kontexte und Perspektiven herzustellen, um Ansprechpartner und Impulse für die eigene Lehre zu erhalten. Die ca. zehn halbtägigen Expeditionen finden in Hamburg, im Ruhrgebiet und in Frankfurt an schulischen und außerschulischen Einrichtungen im Zeitraum von Mai 2011 bis April 2012 statt.
In Hamburg startet die Expedition 02 am Mittwoch, den 11.5.2011 von 09:15 bis 14:15 Uhr an der Schule Potsdamer Straße.
Expedition 05 findet nachmittags in der Frankfurter Schirn Kunsthalle statt.
Noch sind Plätze frei: Zur Teilnahme eingeladen sind Kunstlehrer/innen an allgemeinbildenden Schulen, Museumspädagog/innen, Künstler/innen, Lehrende in der außerschulischen Ästhetischen Bildung.

Bilderbücher zum Unheimlichen

Am Mittwoch, den 20.April um 19 Uhr findet die neue Ausstellung von Bilderbüchern im Foyer Von-Melle-Park 8 statt. Zwölf Studierende präsentieren ihre eigenen Illustrationen zu ausgesuchten Texten, die im Seminar „Das Unheimliche“ bei Prof. Dr. Andrea Sabisch entstanden sind. Das Plakat und die obige Postkarte hat Stefanie Frohwein mit Illustrationen von Antje Friedrich entworfen.

Vom Hamburgs Ödland ästhetischer Bildung

Seit der gescheiterten Schulreform ist Bildung und Schulpolitik zum Tabu in Hamburgs Behörden geworden. Während Bürgermeister Ahlhaus auf seiner Homepage »Ruhe für Hamburgs Schulen« verkündet – was bei den fehlenden Bildungsplänen eher zynisch wirkt – , streicht sein Senator Wersich mit der Deputation möglicherweise am 22. Februar eine verlässliche Grundlage für die gesamte ästhetische Bildung.
Deputationen sind eine hamburgische Spezialität, die die Mitwirkung der Bürger an politischen Entscheidungen garantieren soll. Dass eine Deputation im bestehenden Proporz (=15 ehrenamtliche Bürger – 7 CDU, 6 SPD, 1 GAL, 1 Die Linke) jedoch zwei Tage, nachdem der Senator vermutlich abgewählt sein wird, über das Ende der Ästhetischen Bildung entscheidet, ist ungeheuerlich. Vor allem fehlt es aber an einer angemessenen Expertise, die die gesellschaftlichen Folgen und Dimensionen derartiger Entscheidungsprozesse aufzeigt.
Trotz des schlechten Zeugnisses in der überregionalen Presse bastelt Hamburg mit kaufmännischer Expertise nicht nur an einer rigorosen Reduzierung der Kunst naht, sondern der gesamten ästhetischen Bildung, da die Fächer Kunst, Theater und Musik keine langfristig verlässliche Planungssicherheit seitens der Behörde erhalten, wie sie in der Lehrerbildung auch an Universitäten und Kunsthochschulen in Zukunft nur noch eine unsichere Zukunft haben.
Die Kontingentierung der Stundentafel verschiebt die Verantwortung einer ästhetischen Bildung für alle auf die vermeintliche Autonomie der Schulen. Das ist keine Politik, sondern eine rein verwaltende Sparmaßnahme unter dem Deckmantel der Förderung einer dynamischen Schulentwicklung. Es findet eine Hierarchisierung von wichtigen und unwichtigen Fächern statt. Während das Kontingent für Sport fix gesetzt ist, muss in der Fachgruppe der ästhetischen Fächer wie auf einer Auktion geboten werden. Fachliche Begründungen sind kaum mehr notwendig, die Entscheidungen der Schulleitungen vermutlich meistens pragmatisch, in Abhängigkeit vom vorhandenen Personal und den Vorlieben von Eltern des Einzugsgebiets. Weiterlesen

Protest gegen die Streichung des verpflichtenden Kunstunterrichts

In Bezug auf die letzten Veröffentlichungen („Anfang vom Ende der Kunst“ im Hamburger Abendblatt, „CDU-Kandidat Scheuerl und Senator Wersich streiten über Kunstunterricht“ in Die Welt, die Pressemitteilung der Behörde für Schule und Berufsbildung mit dem Titel „Abschaffung von Kunst in der Schule“, die beiden Darstellungen der taz: Streit um Lehrpläne, Wo bleibt die Kunst?, die Hamburger Morgenpost) haben sämtliche didaktische Vertreter der sprachlichen und ästhetischen Fächer der Lehrerbildung an der Universität Hamburg ihre Sorge und Empörung gegenüber der geplanten drastischen Kürzung des Kunstunterrichts zum Ausdruck gebracht. In einem Brief an Senator Wersich heißt es: »Wir schließen uns dem Protest der HfBK und des BDK (Fachverband für Kunstpädagogik) an und fordern entsprechend ›eine Gleichbehandlung der musischen Fächer in der Schule, und die Kontinuität eines in ausreichender Stundenzahl – also mindestens zweistündig – erteilen Unterrichts in jedem musischen Fach‹(BDK-Stellungnahme vom 27.01.2011) Die Pressemitteilung der Behörde, »es ändere sich in der neuen Stundentafel gegenüber jetzt nur wenig« ist ebenso wenig nachvollziehbar wie die Verlagerung der politischen Verantwortung von der Behörde auf die Schulen, die dann über eine ästhetische Bildung für alle in der Hansestadt selbst entscheiden sollen.« In einer Stadt, die als Wiege der deutschen Kunstpädagogik angesehen werden kann sprachen Sie sich daher vehement gegen die unsinnigen, kunstfeindlichen und ignoranten Kürzungspläne der Hamburger Behörde aus.

Lehrerperformances


Am 9. Dezember wird es eine weitere Filmveranstaltung in der Reihe »Lehrer-Performances. Spiel/Filmbeispiele« in Kooperation mit [FuL] Forschungs- und Le[ ]rstelle der Universität Hamburg geben, auf die ich aufmerksam machen und zugleich alle Interessierten herzlich einladen möchte.

Zusammen mit Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini zeige und diskutiere ich Szenen aus dem Film »Half Nelson« von Ryan Fleck (US 2006).
Zeit: Donnerstag, 9. Dezember 2010, 18.00 Uhr
Ort: Rm 504, VMP 8

Der Titel des Films bezeichnet einen Ringergriff, bei dem der eine Kämpfer den anderen auf den Boden drückt, um ihn zur Aufgabe zu zwingen. Was aber nun genau die einstmals idealistische Lehrerfigur Dan Dunne im schmerzhaften Aufgabegriff hat, ist schwer zu benennen – und das der Film es auch nicht eindeutig oder gar moralisierend tut, darin liegt seine Stärke. Dan Dunne unterrichtet Geschichte und Sport in der Mittelstufe einer Brennpunktschule in Brooklyn. Er ist eine gebrochene und widersprüchliche Lehrerfigur. Bei den Schülern beliebt, bewegt er sich sicher und kontrolliert im Klassenzimmer – vor allem sein unkonventioneller Geschichtsunterricht begeistert seine Schüler. Seinen Alltag übersteht er jedoch nur noch mit Hilfe starker Drogen. Geschichte, so lehrt Dunne, ist Dialektik, gesellschaftlicher Wandel im Aufeinandertreffen von Gegensätzen, die es zu überwinden gilt. Wir möchten im Gespräch mit dem Film diese Lektion ernst nehmen und den Gegensätzen und Widersprüchen nachgehen, welche die Geschichte der Lehrerfigur Dan Dunne und die seines sozio-kulturellen Umfelds auszeichnen.

Das Unheimliche im Bilderbuch und im Film


Studierende des Lernbereichs Bildende Kunst an der Universität Hamburg zeigen am 27.10.2010 ab 19 Uhr Ihre selbst illustrierten Bilderbücher, Filme, Skizzen und Fragmente zum Thema »Das Unheimliche« aus den Werkstattseminaren bei Manuel Zahn und bei mir. Dazu laden wir alle Interessierten herzlich ein. Die Präsentation findet im Café nur für Gäste und im Foyer des Von-Melle-Park 8 statt.