Visuelle Bildung

Rezension von Silvia Henke zu Karl-Josef Pazzinis „Bildung vor Bildern“

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»Denn Bildung wird vom Bild ausgedacht und damit auch von Kunst. Kunstpädagogik, die von Kunst ausgeht, kann in diesem Sinn kein harmloser Prozess sein; sie entzieht immer den Boden, auf dem gesicherte Erkenntnisse stattfinden: «Alle Bildung ist ästhetisch, weil sie Übergänge vom Sinnlichen in Sinn provoziert, aber diesen Sinn auch immer wieder, vom Sinnlichen, Physischen her, untergräbt. Unfassbar.» (S. 23) Mit dieser ‹unfassbaren› Auffassung von Bildung hat Pazzini vor ungefähr 20 Jahren Neuland betreten und dem Unterrichtsfach Kunstpädagogik theoretisch zu einem neuen Status verholfen.Wider alle Rationalisierungsprozesse an Schulen wie Hochschulen hat er gemahnt und gewarnt davor, das Unterrichtsfach Bildende Kunst durch didaktische Vereinfachungen zu einem Bastelprogramm zu machen. Zu groß ist sein Potential, zu viel vermag es. Ästhetische Bildung ist, so Pazzini, primär ein «Fangnetz», eine Aufmerksamkeitsstruktur, eine Relation und Irritation, die sich im Dreieck von Schülern, Lehrperson und dem Gegenstand der Kunst einstellt.«

Henke, Silvia (2016): Karl-Josef Pazzini publiziert eine Neuüberarbeitung seiner wichtigsten Texte aus zwei Jahrzehnten. In: Widmer Peter (Hg.): RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse. Freud-Lacan. Nr. 83 (2016/1), S. 109-113.

Expedition Ästhetische Bildung: Vorwerkstift

Datum: 21.04.2016, 18:30 Uhr
Ort: Vorwerkstraße 21, 20357 Hamburg

Die 17. Expedition Ästhetische Bildung führt uns in das Künstlerhaus Vorwerkstift im Karoviertel. Zu Beginn wird uns die Künstlerin Amelie Zadeh das Haus vorstellen, bevor sie uns in die hauseigene Galerie zur Ausstellungseröffnung der Künstlerin Tintin Patrone begleitet und eine kleine Einführung in die Ausstellung gibt. Wir freuen uns auf die Einblicke und den Austausch rund um die Konzepte des Künstlerhauses, der Galerie und der Ausstellung! Eingeladen sind wie immer alle interessierten Studierenden, Referendar*innen, Lehrer*innen und außerschulische Kunstvermittler*innen zur gemeinsamen Diskussion und Austausch von möglichen Anregungen für die schulische Praxis.
Anmeldungen bitte bis zum 17.04.2016 an ole.wollberg@uni-hamburg.de. Wir bitten um einen Unkostenbeitrag von 4 € pro Person.

Neu: Bramkamp schreibt über Visuelle Animation

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Aus der Hamburger Ringvorlesung „Visuelle Animation“ im Wintersemester 2014 ist ein neues Heft in der Reihe der Kunstpädagogischen Positionen hervorgegangen. Martina Bramkamp: Visual Animation: Methods of Practice and Teaching. Heft 34. Alle Hefte finden Sie unter mbr.uni-koeln.de/kpp als Papierversion zur Bestellung oder als PDF zum kostenlosen Download.

Symposium: Visualität und Abstraktion

Über die Effekte von Abstraktionen im Feld des Sichtbaren
Ein Symposium des künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkollegs »Ästhetiken des Virtuellen«.
Unter digitalen Bedingungen haben sich die Funktionen von Analyse und Synthese, Simulacrum und Simulation für das Feld des Sichtbaren gewandelt. Wie lässt sich nun die Konstruktion von Un/Sichtbarkeit im Blick auf Visualisierungen virtu-ästhetischer Art verstehen, auf welche Weise vermögen »Technologien des Virtuellen« das Sichtbarkeitsdiktat zu transformieren?
Im Fokus des Symposiums steht die künstlerische und wissenschaftliche Befragung von Blick- und Sichtbarkeitsregimen wie von nicht-menschlichem Sehen im Verhältnis zu Abstraktion, zu Subjekten und Körpern. Es gilt das Prozessieren und Konstellieren von digitaler Visualität näher zu spezifizieren, etwa in der Umwandlung von Daten in visuelle Information und von Information in »Bildwissen«, unter Berücksichtigung der herrschaftsförmigen wie ebenso der emanzipativen Potenziale in Technik, Wissenschaft und Kunst.
Die wissenschaftlich-künstlerischen Beiträge des Symposiums umfassen drei sich überschneidende Themenkomplexe: Unter Daten sehen werden optische Apparate als Prozessoren von »Gesichtetem« untersucht, Karten schreiben richtet die Aufmerksamkeit auf die Normierung von Körpern wie auf die Kolonialisierung von Territorien, und unter Muster erkennen wird Identifizieren als Form der Abstraktion problematisiert.
Konzeption: Hanne Loreck gemeinsam mit Christian Blumberg, Joachim Glaser, Joke Janssen, Merle Radtke, Anna Tautfest, Vera Tollmann und Peter Müller.
5.–6. Februar 2016
HFBK Hamburg, Lerchenfeld 2, Aula
Weitere Informationen: http://www.hfbk-hamburg.de/fileadmin/user_upload/diverse/visualitaet_und_abstraktion.pdf

Expedition Ästhetische Bildung: Animation

Die 16. Expedition Ästhetische Bildung lädt wieder in die Räume der Forschungs- und Le[ ]rstelle Kunstpädagogik und visuelle Bildung der Universität Hamburg ein. In den vergangenen Semestern haben sich Studierende und Lehrende in Vorlesung und Seminar intensiv mit dem Thema Animation auseinander gesetzt. Organisiert von Sonja Andrykowski und Jasmin Böschen sollen die Gesprächsrunden erweitert werden und mit allen Interessierten über die Potenziale von Animationsfilm und filmnahen Animationspraxen für eine künstlerische Filmvermittlung reflektiert werden.
Am 18.01.2016 um 18 Uhr werden Sonja Andrykowski und Jasmin Böschen Beispiele aus der eigenen Animationspraxis und der schulischen Vermittlung präsentieren, die für die Anwesenden zum Anhaltspunkt für ein Gespräch dienen können.
Eingeladen sind alle interessierten Studierenden, Referendar_innen, Lehrer_innen und außerschulische Kunstvermittler_innen zur gemeinsamen Diskussion und Austausch von Anregungen für die schulische Praxis.
Anmeldungen bis zum 14.01.2016 an: ja.boeschen@googlemail.com
Eintritt: 4 €

Sagen und Zeigen. Exkursion nach Bamberg

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Anlässlich der Ausstellung »Sagen und Zeigen. Schrift in der Kunst« in der Stadtgalerie – Villa Dessauer in Bamberg fand ein studentischer Austausch zwischen Hamburger und Bamberger Kunststudierenden statt. Unter der Leitung der Kuratorin und Seminarleiterin in Bamberg, Notburga Karl und der Hamburger Professorin Andrea Sabisch fand eine anregende künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung statt, die in einem öffentlichen Symposion mündete.

Tagung: BILDER – ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

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Bereits zum dritten Mal findet vom 12. bis 14.11.2015 unter Beteiligung des Archäologischen Instituts eine von Studierenden und Promovierenden des Fachbereichs Kulturgeschichte und Kulturkunde organisierte bildwissenschaftliche Tagung statt.
»Die Fähigkeit, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu differenzieren, wird als maßgeblich für die Herausbildung eines (Selbst-)bewusstseins verstanden. Zeit ist ein wesentliches Ordnungskriterium, das im Fluss der kontingenten Ereignisse und Erfahrungen Kohärenzen und Bedeutungen stiftet. Die mit der zeitlichen Ordnung entstehenden Narrative sind wiederum von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Identitäten. […] An diesen Prozessen sind seit jeher auch Bilder beteiligt. Unbewegte wie bewegte Bilder repräsentieren Zeit und Dauer und sind auf vielschichtige Weise in die Organisation von Zeitlichkeit oder Zeitlosigkeit verstrickt.«

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg,
mit Vorträgen von Ole Wollberg und Stefanie Johns.
Organisation: Jacobus Bracker & Tim Jegodzinski mail@kulturkundetagung.de
Weitere Informationen: www.kulturkundetagung.de

Tagung im Warburghaus

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Die Tagung »nachbilder [ ] vorbildern«, die im September im Warburg-Haus anlässlich des Ruhestands von Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini unter der Leitung von Prof. Dr. Torsten Meyer, Prof. Dr. Andrea Sabisch, Dr. Manuel Zahn udn Ole Wollberg stattfand, war ein dichtes dialogisches und kollektives Reflektieren über das neue Buch von »Bildung vor Bildern«. Eine weiterführende Publikation ist in Planung.

Buchvorstellung Karl-Josef Pazzini – Bildung vor Bildern

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Vor Kunst findet unfreiwillig Bildung statt – und nicht nur dort. Allerdings kann man sie hier eher bemerken als im Alltag, wo Bilder dauernd einfallen. Dies ist weder zu stoppen noch mit Präzision zu fördern. Die psychoanalytische Erfahrung zeigt jedoch: Eingefallene Bilder können nicht nur bilden, sondern ebenso zu Verhärtungen bis zur Dummheit führen. Der notwendige Schutz durch Einbildungen kann zu einer zu großen Distanz zur Welt, zu eingebildeter Autonomie und Souveränität führen, so dass unbewusste Schutzbilder kaum noch neue Erfahrungen zulassen.
In diesem Band geht es ums Durchbrechen und Loslassen, um Enteignung, Verzicht, Umwandlung, Auflösung, Schwingung, Umbau und Vorbilder.
Die Publikation war anlass für die Austragung der Tagung »nachbild[ ]vorbilder« im Aby Warburg-Haus vom 17. – 19.09.2015
Bestellbar hier.