Brief von Silvia Henke an Karl-Josef Pazzini

[…] In der Schweiz [jedoch] legt die Rechte weiter zu, sie wird immer lauter, immer frecher, übernimmt Mediengruppen und die Linke serbelt weg. Die nächsten Wahlen werden katastrophal: aus Angst vor dem Druck der EU wird die SVP mit ihren Lügen einer Schweiz von gestern nochmals zulegen. Wenn sie aber mit den anderen Rechten aus der Mitte auf über 50% kommt, dann haben wir bald eine Parteidiktatur. Das wird auch angestrebt. Sie würden so Institutionen wie unsere Kunsthochschule sofort schliessen. Mir ist dazu einfach auch noch in den Ohren, wie Sie in Romainmôtier einmal mit einer mahnenden Gelassenheit gesagt haben, dass es doch eigentlich gut gehe in unserer Gesellschaft, nur scheint ein Grossteil der Menschen das nicht zu merken. Woher kommt die Angst in einem Land wie der Schweiz, dem es soooo gut geht? Es ist beschämend, denn diese Angst kommt nicht aus Not. Sie entsteht vor unser aller Augen durch Propaganda.

Ich schreibe das als Einleitung, weil ich denke, man kann es nicht genug sagen: es wird ein scheusslicher Abstimmungskampf betrieben im Namen „kultureller Identität/nationaler Werte“ und man muss die Schweiz jetzt unter Beobachtung stellen bis zu den Wahlen im Herbst, weil sie noch immer so harmlos und fortschrittlich erscheint gegen aussen. Sie ist es nicht. Wenn Sie eine Plattform kennen, die eine Veranstaltung des 2010 gegründeten Forums „Kunst & Politik“ aufnehmen würde (in Hamburg), wäre das willkommen.

(www.kunst-und-politik.ch)
Es ginge weniger um die alte Frage, ob aus Kunst Widerstand kommen kann, sondern nur um die Frage: wie? […]“