Loccum VI – Erkennen, verstehen und rekonstruieren im kunstpädagogischen Feld. Zur Integration quantitativer und qualitativer Methoden

Im sechsten kunstpädagogischen Forschungskolloquium an der evangelischen Akademie in Loccum diskutierten 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Erziehungswissenschaft und Kunstpädagogik Anfang September miteinander, wie das Verhältnis von quantitativen und qualitativen empirischen Forschungsverfahren gegenwärtig zu denken sei. Dabei ging es sowohl darum, Begründungen und Geltungsansprüche der Forschungsergebnisse im Zusammenhang der gewählten Methode und Frage genauer zu reflektieren, als auch um die Frage der jeweiligen Erkenntnisgenerierung, insbesondere zwischen qualitativen und quantitativen Forschungsdynamiken und -methodologien. Wie auch in den letzten Jahren fand auch die diesjährige Planung und Konzeption des Kolloquiums unabhängig von institutionellen Anbindungen und Betreuungsverhältnissen statt. Im Unterschied zum letzten Jahr hat das Leitungsteam (Jörg Grütjen, Dr. Anja Mohr, Katharina Küstner und Dr. Ansgar Schnurr) allerdings einen Gastredner, Prof. em. Dr. Peter Schmidt eingeladen, der nicht nur eine äußerst kompetente Einführung in zentrale Fragestellungen gab, sondern darüber hinaus auch die Teilnehmenden zu Ihren eigenen Forschungsfragen und Materialien beriet. Mehr

Wolfgang Legler: Kunstpädagogische Zusammenhänge

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Anlässlich seines m.E. viel zu frühen Gangs in den Ruhestand haben Andrea Sabisch, Karl-Josef Pazzini und Torsten Meyer Wolfgang Legler ein Buch geschenkt. Unter dem Titel „Kunstpädagogische Zusammenhänge“ sind seine wichtigsten Texte zur Fachdidaktik und zur ästhetischen Bildung in einem handlichen Buch vereinigt. Der Titel des Buchs ist programmatisch gewählt: Kunstpädagogische Zusammenhänge verweisen auf Kontexte, in denen Fachdidaktik und ästhetische Bildung »verortet« werden müssen. Es geht um den »disziplinären Ort« der Fachdidaktik in ihrem Verhältnis zur Allgemeinen Didaktik und zur (allgemeinen) Erziehungswissenschaft.
Jenseits isolierter kunstpädagogischer Einzelpositionierungen denkt Wolfgang Legler in seinen Schriften darüber nach, welche Verhältnisse zwischen Selbst und Welt – Sehen, Denken, Machen – für die Kunstpädagogik eigentlich konstitutiv sind. Er fragt nach den Relationen von Kunstpädagogik und Gesellschaft und der besonderen Verantwortung von Kunst und Kunstpädagogik im Insistieren auf nicht-instrumentelle Zugänge der Erfahrung und des Verstehens von Welt.

Wolfgang Legler: Kunstpädagogische Zusammenhänge. Schriften zur Fachdidaktik und zur ästhetischen Bildung. Herausgegeben von Torsten Meyer, Karl-Josef Pazzini und Andrea Sabisch, ATHENA 2009 (Pädagogik: Perspektiven und Theorien, herausgegeben von Johannes Bilstein, Bd. 11)

Ab sofort kann dieses Buch käuflich erworben werden: Bestellung bei ATHENA

Aufzeichnung und ästhetische Erfahrung

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Welche Erfahrungen im Bereich der ästhetischen Bildung machen eigentlich Studierende und Schüler? Wie kann man ein Portfolio oder ästhetisches Tagebuch anlegen? Und wie hängen philosophische Überlegungen über den Erfahrungsbegriff mit einer qualitativen Forschung zusammen? Diese und andere Fragen werden zum Thema im soeben erschienenen 20. Band der Hamburger Reihe „Kunstpädagogische Positionen“, die auf meinem Vortrag am 14. Januar 2008 beruhen und Teile meiner Dissertation zusammenfassen. Das kleine broschürte Heftchen wird von der University Press Hamburg herausgegeben und ist für 2 € hier erhältlich.

Kunstpädagogischer Nachmittag: Braucht Kunst einen Kanon?

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Kunstpädagogischer Nachmittag, veranstaltet vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg und
Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft, Forschungs- und Le[]rstelle Kunst • Pädagogik • Psychoanalyse

Diskussionsveranstaltung mit

  • Dr. Fritz Seydel: „Kunst im Kanon?“
  • Prof. Franz Billmayer: „…. aber wer braucht die Kunst?“
  • Prof. Dr. Torsten Meyer/Julia Ziegenbein: „Aktuelle Kunst in die Schule!! Projekt kiss, am Beispiel einer Kooperation mit Peter Piller“
  • Prof. Peter Piller: „Woher ich was lernte“

27. Mai 2009, 16:00 – 19:00 Uhr
Von-Melle-Park 8, 20146 Hamburg, Raum 05

Lehrer-Performances „Entre les murs“ (F 2008).

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Am 7. Mai 2009 findet eine weitere Filmveranstaltung in der Reihe „Lehrer-Performances. Spiel/Filmbeispiele“ in Kooperation mit [FuL] Forschungs- und Le[ ]rstelle statt. Manuel Zahn zeigt und diskutiert zusammen mit Karl-Josef Pazzini den Film „Entre les murs“ (F 2008).
Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr in Rm 504, VMP 8.

Laurent Cantents Film hat in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Das macht „Entre les murs“ nicht nur für die Reihe der filmischen Lehrer-Performances interessant, es ist auch ein Zeichen für das bestehende Interesse am filmischen Blick ins Gemäuer des schulischen Klassenzimmers.
Die französische Doku-Fiktion zeigt im Laufe eines Jahres Unterrichtsszenen einer 9. Klasse an einer Schule im 20. Arrondissement von Paris. Von der ersten bis zur letzten Filmminute spielt der Film innerhalb dieser Schulmauern: alles ist Schule. Auch Cantents Schauspieler-Ensemble setzt sich aus dem ehemaligen Lehrer François Bégaudeau – der auch die Buchvorlage des Films schrieb – und einer Gruppe von laienschauspielenden Schülern zusammen. Der Lehrer spielt die zentrale Lehrer-Figur und die Schüler spielen während der Filmaufnahmen entwickelte Schüler-Figuren. Neben dieser spannenden Konstruktion, steht für uns mit Cantents Film vor allem die Frage nach der Funktion der Sprache in den schulischen Lehr-Lern-Situationen an diesem Abend im Mittelpunkt.

Abschiedsvorlesung Wolfgang Legler

In seiner öffentlichen »Abschiedsvorlesung« rekonstruiert Prof. Dr. Wolfgang Legler, ausgehend von den Anfängen eines Zeichenunterrichts für Laien in der Renaissance, die historisch wechselnden Intentionen, Inhalte und Methoden des Zeichen- und Kunstunterrichts. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Begründung des Volksschul-Zeichenunterrichts durch Pestalozzi und seine Schüler, auf den Anfängen der Kunsterziehungsbewegung in Hamburg am Ende des 19. Jahrhunderts, der sogenannten »zweiten Phase der Kunsterziehungsbewegung« zwischen den Weltkriegen und den Entwicklungen von 1945 bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Dabei werden auch die Beziehungen zwischen kunstpädagogischen Positionen und Entwicklungen der bildenden Kunst sowie Impulsen aus Bildungstheorie und Allgemeiner Didaktik in den Blick genommen.

06.04.2009
Methodische Vorbemerkungen, eine schwierige Vorgeschichte und frühe Methodenkonzepte
20.04.2009
Aus Anlass der Aktionswoche »Rettet die Bildung«: Bildungsökonomie und Kunstpädagogik – Wie Politik und Wirtschaft die Entwicklungen des Zeichen- und Kunstunterrichts mitbestimmt haben
27.04.2009
Comenius, Rousseau, Pestalozzi und die Begründung eines allgemeinbildenden Zeichenunterrichts
04.05.2009
Schillers Idee einer ästhetischen Bildung und die Einführung des Elementarzeichnens an den preußischen Volksschulen
11.05.2009
Disziplinierung und gewerbliche Ausrichtung des Volksschulzeichenunterrichts vor der Kunsterziehungsbewegung
18.05.2009
Die Entdeckung der freien Kinderzeichnung und die Anfänge der Kunsterziehungs-bewegung in Hamburg
25.05.2009
Julius Langbehn und Alfred Lichtwark – Kulturkritik und reflexive Modernisierung als Motive der Kunsterziehung
08.06.2009
Die zweite Phase der Kunsterziehungs-bewegung und das Problem der »Volkskunst«
15.06.2009
Die NS-Zeit und die schwierige Neuorientierung der Kunstpädagogik nach 1945
22.06.2009
Reinhard Pfennig und Gunter Otto – Die Kunst-Pädagogik entdeckt ihren Gegenstand
29.06.2009
Reformansätze der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und die Ästhetische Erziehung als »Integrationskonzept«
06.07.2009
Tendenzen der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts und die Aktualität der ästhetischen Bildung
13.07.2009
Kolloquium

Kunst Pädagogik Forschung

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So sieht es also nun aus. Und nun endlich wird es auch erscheinen. Im Moment ist es im Druck und wird im Laufe des Monats erhältlich sein:

Meyer, Torsten; Sabisch, Andrea (Hg.): Kunst Pädagogik Forschung. Aktuelle Zugänge und Perspektiven. Bielefeld: transcript 2009

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