Bildlichkeit

Fabian Ginsberg: Scripted Reality

Praktisch geht es um die Bedingungen des ärgerlichen Problems, dass entweder die Öffentlichkeit, in die eine Nachricht tritt, von ihr zuvor hergestellt worden, oder der Öffentlichkeit die Nachricht bereits bekannt sein muss. Theoretisch wird die ästhetische Perspektive ersetzt durch eine epistemologische und Kunst verstanden als ein metonymisch mit anderen Bereichen der Wirklichkeitsherstellung verbundenes Feld, das geeignet ist, um von hier aus symbolische Formen metakritisch zu betrachten. Die unserer Vorstellungswelt der sogenannten Wirklichkeit zugrundeliegenden epistemologischen Modelle hinken dem vorhandenen Wissen hinterher. Die Bilder, Modelle oder Formen, die für die alltägliche Erfassung dieser Wirklichkeit benutzt werden, sind nicht nur ungenügend – sie täuschen. Während die Alltagspsychologie ihr Welt- und Menschenbild aus jahrhundertealten Modellen mixt, nutzen avanciertere Modelle des Wirklichen die verschiedenen Erklärungslücken und Kategorienfehler aus, um asymmetrische Tauschverhältnisse zu etablieren. Eine Kritik dieser Bilder kann nicht nur an der Oberfläche des Dargestellten bleiben, sondern muss die Herstellung der Darstellung untersuchen, um dann, im besten Fall, auf die Kritik ganz zu verzichten und neue Darstellungen herzustellen.
Nähere Informationen sowie Download des Textes finden Sie hier.

Neuerscheinung: Visuelle Assoziationen

Der Sammelband zur Visuellen Bildung, der aus der Hamburger Tagung im Warburg-Haus 2016 hervorging, ist nun erschienen! Er thematisiert angesichts der fortschreitenden Digitalisierung die Entstehung einer bildlichen Infrastrukturzwischen Bildern im Plural und ihren Verknüpfungsweisen.
Andrea Sabisch, Manuel Zahn (Hg.) Visuelle Assoziationen. Bildkonstellationen und Denkbewegungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Hamburg: Textem 2018.
Praktiken der Bildverknüpfung, so eine unserer Ausgangsthesen, sind basale Kulturtechniken, die Aufmerksamkeit stiften, unsere Blicke lenken und uns miteinander wie auch mit der Welt verbinden. Sie bestimmen unser Leben und durchdringen unsere Forschungen zunehmend. Vor diesem Hintergrund befragt der interdisziplinäre Sammelband den systematischen Ort der Assoziation im Umgang mit Bildern. Dazu stellt er der Assoziation als sprachlicher Verknüpfung und narrativer Bildverkettung die Ordnungen und Verbindungen visueller Assoziationen an die Seite. Letztere offenbaren eine andere, vielschichtige Weise medial gebahnter bildlicher Anschlüsse und Übergänge, die sich zum Imaginären hin öffnen. In dieser Perspektive widmen sich die Autor*innen und Künstler*innen den visuellen Assoziationen aus unterschiedlichen Feldern und institutionellen Kontexten der Kunst und ihrer Vermittlung, der Philosophie und der Wissenschaft. Visuelle Assoziationen kommen dabei in ihrer Medialität und Performanz in den Blick, die sich zum einen als die je spezifischen Verfahren und Praktiken der Sichtbarmachung und Konstellation von Bildern und zum anderen als Movens eines visuellen Denkens zeigen.
Mit Beiträgen von Natascha Adamowsky, Alejandro Bachmann, Andrea Becker-Weimann, Utz Biesemann, Astrid Böger, Georges Didi-Huberman, Jennifer Eckert, Mira Fliescher, Gerrit Frohne-Brinkmann, Gregor Hildebrandt, Simone Kesting, Alexander Kluge, Paula Loeding, Jan Masschelein, Michaela Melián, Dieter Mersch, Julia Metropolit, Nanne Meyer, Volkmar Mühleis, Michaela Ott, Karl-Josef Pazzini, Peter Piller, Andrea Sabisch, Michael Sailstorfer, Olaf Sanders, Caspar Sänger, Lukas Sonnemann, Stefanie Schlüter, Rebekka Seubert, Dilek Tas, Elena Weit, Susanne Witzgall, Manuel Zahn und Lena Ziese.
Ich danke allen Beitragenden für die gute Kooperation, Stefan Fuchs für die grafische Gestaltung und Nora Sdun und Gustav Mechlenburg vom Textem-Verlag für die gute und jederzeit unterstützende Zusammenarbeit.