Wissenschaft

Rahel Puffert: Umräumen statt aufräumen

Wie bereits die russischen Avantgarden zeigen konnten, tendieren institutionelle Kontexte dazu, Wahrnehmungsprozesse und Lernprozesse zum Erstarren zu bringen. Das Prinzip ›Umräumen‹ setzt bei den sozialen und räumlichen Arrangements in Lehr- und Lernzusammenhängen selbst an, mit dem Ziel sie zu vitalisieren. Die in neun Schritten erörterte ›Pädagogik der Kunst‹ verortet sich zwischen Kunst und Institutionskritik. Hatte die ›kritische Kunstvermittlung‹ ihre Konzepte vorwiegend für den Museums- und Ausstellungraum entwickelt, so lenkt Rahel Puffert die Aufmerksamkeit auf die spezifischen institutionellen Bedingungen schulischer Kunstpädagogik. Dabei rückt das mittels ›meritokratischer Formel‹ legitimierte bildungspolitische Problem struktureller Ungleichheit in den Fokus, aber auch die Logik der Vermessung, von der bildungsinstitutionelle Kontexte heute durchzogen sind. In dieser Situation gelte es, Verfahren zu entwickeln, die zum Effekt haben, institutionelle Blockaden zu lösen und die Rastlosigkeit des Leistungsstrebens zu unterbrechen, um Dinge und Menschen kunstvoll miteinander in Berührung zu bringen.
Nähere Informationen sowie Download des Textes finden Sie hier.

Neuerscheinung: Visuelle Assoziationen

Der Sammelband zur Visuellen Bildung, der aus der Hamburger Tagung im Warburg-Haus 2016 hervorging, ist nun erschienen! Er thematisiert angesichts der fortschreitenden Digitalisierung die Entstehung einer bildlichen Infrastrukturzwischen Bildern im Plural und ihren Verknüpfungsweisen.
Andrea Sabisch, Manuel Zahn (Hg.) Visuelle Assoziationen. Bildkonstellationen und Denkbewegungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Hamburg: Textem 2018.
Praktiken der Bildverknüpfung, so eine unserer Ausgangsthesen, sind basale Kulturtechniken, die Aufmerksamkeit stiften, unsere Blicke lenken und uns miteinander wie auch mit der Welt verbinden. Sie bestimmen unser Leben und durchdringen unsere Forschungen zunehmend. Vor diesem Hintergrund befragt der interdisziplinäre Sammelband den systematischen Ort der Assoziation im Umgang mit Bildern. Dazu stellt er der Assoziation als sprachlicher Verknüpfung und narrativer Bildverkettung die Ordnungen und Verbindungen visueller Assoziationen an die Seite. Letztere offenbaren eine andere, vielschichtige Weise medial gebahnter bildlicher Anschlüsse und Übergänge, die sich zum Imaginären hin öffnen. In dieser Perspektive widmen sich die Autor*innen und Künstler*innen den visuellen Assoziationen aus unterschiedlichen Feldern und institutionellen Kontexten der Kunst und ihrer Vermittlung, der Philosophie und der Wissenschaft. Visuelle Assoziationen kommen dabei in ihrer Medialität und Performanz in den Blick, die sich zum einen als die je spezifischen Verfahren und Praktiken der Sichtbarmachung und Konstellation von Bildern und zum anderen als Movens eines visuellen Denkens zeigen.
Mit Beiträgen von Natascha Adamowsky, Alejandro Bachmann, Andrea Becker-Weimann, Utz Biesemann, Astrid Böger, Georges Didi-Huberman, Jennifer Eckert, Mira Fliescher, Gerrit Frohne-Brinkmann, Gregor Hildebrandt, Simone Kesting, Alexander Kluge, Paula Loeding, Jan Masschelein, Michaela Melián, Dieter Mersch, Julia Metropolit, Nanne Meyer, Volkmar Mühleis, Michaela Ott, Karl-Josef Pazzini, Peter Piller, Andrea Sabisch, Michael Sailstorfer, Olaf Sanders, Caspar Sänger, Lukas Sonnemann, Stefanie Schlüter, Rebekka Seubert, Dilek Tas, Elena Weit, Susanne Witzgall, Manuel Zahn und Lena Ziese.
Ich danke allen Beitragenden für die gute Kooperation, Stefan Fuchs für die grafische Gestaltung und Nora Sdun und Gustav Mechlenburg vom Textem-Verlag für die gute und jederzeit unterstützende Zusammenarbeit.